Intelligenz – Soziale Kompetenz. Kognition & Empathie.


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Social, Cognitive and affektive NeuroScience.

Derzeit existieren viele verschiedene Definitionen von sozialer Kompetenz, welche sich teilweise sogar widersprechen. Worauf sich die jeweilige Definition bezieht hängt unter anderem davon ab, welcher Psychologischen Fachrichtung sie entspringt. Definitionen aus dem Bereich der klinischen Psychologie betonen vor allem den Charakter der Durchsetzungsfähigkeit, wohingegen sich entwicklungspsychologische Definitionen mehr auf den Aspekt der Anpassung der Person an die Werte und Normen einer Gesellschaft beziehen.

Aus klinisch-psychologischer Sicht wäre eine Person demzufolge sozial kompetent, wenn sie in Interaktionen mit anderen Personen ihre eigenen Interessen und Wünsche erfolgreich durchzusetzen kann. Aus entwicklungspsychologischer Sicht hingegen gilt die Person als sozial kompetent, wenn sie in der Lage ist, die sozialen Bedingungen ihrer Umwelt zu adaptieren.

Der aufmerksame Leser wird sicher an dieser Stelle feststellen, dass die Widersprüchlichkeit beider Definitionen darin zu sehen ist, dass eine Person die sich stets an ihre soziale Umwelt anpasst, nicht durchsetzungsfähig ist, beziehungsweise, dass wenn eine Person ständig ihre Interessen gegenüber anderen durchsetzt, sie sich nicht anpasst.

Die Frage die sich hierbei ergibt ist: sind Anpassung und Durchsetzungsfähigkeit tatsächlich sich gegenseitig ausschließende Aspekte oder lassen sie sich doch vereinen? Bedenkt man als zusätzlichen Parameter die Dauer der Interaktionsbeziehung, so wird schnell klar, dass je länger diese ist, die Kompromissbereitschaft der einzelnen Interaktionspartner steigen muss.

Beispiel: Wenn alle Interaktionspartner nur auf die Durchsetzung ihrer Interessen bedacht sind, wird kaum ein Ziel erreicht werden. Gehen die einzelnen Parteien hingegen Kompromisse ein (passen sich sozusagen ihrer sozialen Umwelt teilweise an), so kann es  zur Zielerreichung kommen, die für beide befriedigend wirkt. Definition (Kanning, 2002):

Soziale Kompetenz = Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, welche die Qualität eigenen Sozialverhaltens […] fördert.“

Intelligenz – soziale Kompetenz.

Intelligenz als Konstrukt besteht aus mehreren Subkonstrukten:

  • akademische Intelligenz
  • praktische Intelligenz
  • operative Intelligenz
  • soziale Intelligenz
  • emotionale Intelligenz
  • Kreativität.

Intelligenz als Problemlösefähigkeit manifestiert sich demnach in verschiedenen Problembereichen. Akademische Intelligenz hilft beim Lösen abstrakter Probleme. Praktische Intelligenz bezieht sich auf praktische Probleme (z.B. Schuhe zubinden) Soziale Intelligenz ist notwendig bei zwischenmenschlichen Problemen. Emotionale Intelligenz hilft bei emotionsbezogenen Problemen. Operative Intelligenz wird benötigt, wenn komplexe Probleme vorliegen. Kreativität ist nützlich bei unzureichend gelösten Problemen.

Was sind die Ursachen für unterschiedliche individuelle Intelligenzleistungen?

Man unterscheidet ganz allgemein erst einmal zwischen : Strukturtheorien und Prozesstheorien der Intelligenz. Strukturtheorien untersuchen Teilleistungen der Intelligenz sowie die individuellen Ausprägungen dieser Leistungen.  Prozesstheorien hingegen untersuchen die Prozesse die den Intelligenzleistungen zugrunde liegen und wie diese Prozesse zusammenwirken. Hier liegt der Fokus deshalb unter anderem auf kognitiven Korrelaten und kognitiven Komponenten, d.h. es wird die Güte der Informationsverarbeitung betont.

Kognitive-Korrelate-Ansatz.

Das Hauptaugenmerk dieses Ansatzes liegt auf kognitiven Prozessen. Das bedeutet, dass man davon ausgeht das psychometrisch unterschiedliche  Intelligenzgruppen vorliegen und man nun diejenigen elementaren Prozesse herausfinden muss, in denen sich die beiden Gruppen (z.B. hoch-intelligente Personen und niedrig-intelligente Personen) unterscheiden. Zu diesen Prozessen zählen unter anderem :

  • die Neuronale Effizienz
  • das Arbeitsgedächtnis
  • Mental Speed
  • und Aufmerksamkeit und Konzentration.

Diesem Ansatz zufolge beruhen die Intelligenzunterschiede also zum einen in der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses und zum anderen auf Differenzen in der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitungsprozesse.

Mental Speed.

Die Grundannahme ist, dass die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit Unterschiede in Intelligenzleistungen beeinflusst. So fanden Jensen und Kollegen zum Beispiel heraus, dass bei einfachen Wahrnehmungsaufgaben eine mittlere Korrelation (-.30) vorliegt, zwischen der Darbietungszeit und dem IQ. Die Probanden bekamen sehr kurz zwei Linien dargeboten und sollten anschließend entscheiden, ob diese beiden Linien gleich lang sind.

Der methodische Zugang erfolgt demnach über sehr einfache Aufgaben, also Aufgaben die kein Vorwissen erfordern und zusätzlich in verschiedene Speed-Komponenten (z.B. movement time, inspection time, response time) zerlegt werden können. Neubauer kam zu dem Schluss, dass intelligente Personen Informationen schneller wahrnehmen und verarbeiten können als Personen die weniger intelligent sind.

Kognitive-Komponenten-Ansatz.

Dieser Ansatz setzt an Leistungen in einzelnen Test-Items an und versucht herauszufinden, welche Stadien der Informationsverarbeitung für die Unterschiede zwischen den Gruppen (hoch-intelligent vs. niedrig-intelligent) verantwortlich sind. Intelligenz wird hierbei als die Fähigkeit verstanden, sich Informationen anzueignen, diese zu speichern, sich daran zu erinnern, die Informationen zu vergleichen und zu verbinden.

Need for cognition (Bedürfnis Wissen zu erwerben).

Need for cognition (NFC) stellt die stabile, individuelle Disposition dar, sich für kognitiv komplexe Inhalte zu interessieren, sich damit zu beschäftigen und Spaß daran zu haben. Es handelt sich somit um eine Dimension innerhalb der kognitiven Motivation, in welcher sich Personen unterscheiden.

Personen scheinen sich darin zu unterscheiden, wieviel kognitiven Aufwand sie in komplexe Aufgaben investieren. Viel Aufwand investieren Personen mit hohen NFC-Werten oder hoher Motivation. Wenig Aufwand investieren Personen mit niedrigen NFC-Werten oder geringer Motivation. Je nachdem wie hoch die Motivation, oder wie in diesem Fall NFC ausgeprägt ist, wählen Personen entweder die zentrale Route der Informationsverarbeitung oder die periphere Route.

Korrelate

  • Personen die eine hohe NFC-Ausprägung besitzen, denken intensiver über Informationen, Ereignisse, Argumente oder auch das Verhalten anderer Menschen nach.
  • Außerdem sind Personen mit hoher NFC-Ausprägung weniger ablenkbar durch periphere Hinweisreize, d.h. sie legen ihren Fokus auf die zentralen Informationen.
  • Damit weisen sie eine höhere Wahrscheinlichlichkeit auf, zentral zu verarbeiten.
  • Zudem zeigte sich, dass sie sich schon in sehr frühen bottom-up Phasen  stärker neuen, potenziell interessanten Reizen zuwenden (höhere kognitive Ressourcenzuweisung).
  • Personen mit einer hohen NFC-Ausprägung zeigen außerdem bessere Wiedererkennungs- und Erinnerungsleistungen, eine höhere Genauigkeit von Erinnerungsleistungen, eine bessere Leistung in kognitiven Aufgaben, eine bessere Herangehensweise bei Problemlösen und Entscheidungsverhalten, sowie eine höhere Präferenz für komplexe Aufgaben und Inhalte.

Typical Intellectual Engagement (TIE).

Bei TIE handelt es sich um ein eigenständiges Konstrukt, welches die Attraktion beziehungsweise Aversion abbildet, die anspruchsvolle Aufgaben auf Personen ausüben. TIE diskriminiert somit zwischen Personen die sich dahingehend unterscheiden, wie stark ihr übliches Engagement und ihr Verlangen nach intellektueller Betätigung ist (Ackermann & Goff, 1992).

typisches vs. maximales Verhalten

Psychologische Messinstrumente erfassen unterschiedliche Kategorien von Verhalten: typisches Verhalten und maximales Verhalten. Das maximale Verhalten spiegelt ressourcenintensive Anstrengungen wieder, während typisches Verhalten eher gewohnheitsmäßige Bemühungen abbildet. Diese Unterscheidung wurde erstmals von Cronbach (1949) getroffen, lässt jedoch offen, dass es eine Disposition dafür geben könnte wieviel Anstrengung Personen in ihr typisches Verhalten legen.

Es könnte demnach so sein, dass eine Person aufgrund ihrer Fähigkeiten nicht zu mehr Anstrengung in der Lage ist.

In den  Bereichen der Pädagogischen, Differentiellen und Sozialpsychologie wurden in den letzten Jahren einige Verfahren entwickelt (hierbei handelt es sich um Selbstberichtsverfahren), die typisches intellektuelles Verhalten erfassen sollen und somit den Verfahren gegenüberstehen, die Intelligenz durch die Provokation maximalen Verhaltens erfassen (herkömmliche Intelligenztests).

Ackermann und Goff (1992) schlugen ausgehend von dieser Differenzierung der Verfahren eine Unterscheidung von Intelligenz einerseits als Intelligenz-als-maximales-Verhalten und andererseits als Intelligenz-als-typisches-Verhalten vor. Sie sehen zwischen Intelligenz-als-typisches Verhalten und dem Konstrukt TIE einen starken Zusammenhang.

Typical intellectual engagement

Personen die eine hohe Ausprägung in TIE aufweisen könnten demnach in der Lage sein, bei kognitiven Leistungen besser abzuschneiden. Dies wiederum deutet daraufhin, dass TIE eine bedeutende Rolle beim Erwerb von Wissen spielen könnte. Zusammenhang zwischen Intelligenz und TIE. TIE weist einen stärkeren Zusammenhang mit kristalliner Intelligenz auf, als mit fluider Intelligenz (Wilhelm et al, 2003).

Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und TIE. Es lassen sich starke Zusammenhänge zwischen TIE und NFC (need for cognition) finden : r=.70 (Wilhelm, Schulze, Schmiedek & Süß, 2003). Außerdem gibt es hohe Korrelationen ( r=.44 und r=.70) zwischen TIE und dem Persönlichkeitsmerkmal Offenheit. Weitere positive Beziehungen lassen sich zwischen TIE und Arbeitsstil, Absorption sowie extravertiertem intellektuellem Engagement aufweisen

Erfassung von TIE

Ein deutschsprachiger Fragebogen zur Erfassung von TIE ist die Skala zur Erfassung typischen intellektuellen Engagements von Wilhelm et al. (2003). Die Skala enthält 18 Items, welche teilweise aus Fragebögen zur Erfassung von NFC stammen. Die deutschsprachige Skala stellt eine überarbeitete Übersetzung und Kurzform des amerikanischen Fragebogens von Goff und Ackerman (1992), mit einem wesentlich verbessertem Messmodell, dar. TIE wird in der Skala anhand von 3 korrelierten Faktoren erfasst:

  • Lesen (thematisiert die Menge und die Vielfalt gelesenen Materials)
  • Intellektuelle Neugier  (thematisiert vielschichtiges intellektuelles Interesse)
  • Kontemplation (thematisiert intellektuelles Verhalten welches nicht instrumentell gerichtet ist, d.h. abstraktes Denken wird als Herausforderung betrachtet und komplexe und komplizierte Probleme zu lösen gilt als interessant).

3 Gedanken zu “Intelligenz – Soziale Kompetenz. Kognition & Empathie.

  1. graf cosel schreibt:

    mit perippferen hinweisreizen sollte man aber weder aversive noch attraktive ziele markern.subversiv sollte IMMER und JEDERORTS obertes verlangen des menschen sein.wer das nicht verstanden hat,brauch sich gar nicht erst inkarnieren!!!!kann er sein lassen!!!sinnlos!!bringts nicht!!!aber mir glaubt ja eh keiner…schade

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  2. Nassim schreibt:

    Ich habe Eine Frage , die ihre Antwort noch nicht gefunden habe . Die Frage lautet , warum braucht ein Sozialarbeit eine Hohe Emotionale (sozial ) Intelligenz ?

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    • citisite schreibt:

      Weil der Sozialarbeiter sonst das reinste Chaos anstellt. Gehirn ist Voraussetzung, um überhaupt etwas verstehen zu können, wobei diese Sozialarbeiter meist ihr eingeschränktes Weltbild paranoid auf das Gegenüber projizieren: “was ich nicht versteh, ist wirr!” Aussagepsychologe Dr. Sponsel googeln. Aber auch Freud oder Otto Kernberg. Schon die Profis haben das erkannt. Goethe: “es hört doch nur jeder, was er versteht!”

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