Eric Kandel. Sperma, Memory, Gedächtnis & ADS.


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Eric Kandel. Nobelpreisträger: „Erinnerung landet nicht im Sperma.“ Vorausgesetzt der prefrontale Kortex speichert Informationen ab. Buchempfehlung: „In the search of memory.“ Auf der Suche nach dem Gedächtnis. 

Die Gedächtnisforschung unterscheidet drei Formen von Gedächtnis, das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis (Arbeitsgedächtnis) und das Langzeitgedächtnis. Werden bestimmte neuronale Schaltkreise häufig gemeinsam aktiviert, so führt das dazu, dass sich die Verbindungswege unter ihnen dem Gehirn ‚einbrennen’, was sie zu Verarbeitungsroutinen macht, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Das trägt zu ihrer schnellen bzw. ‚automatisierten‘ gegenseitigen Abrufbarkeit bei.

Festzuhalten ist: Die Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses treten als Aktivierungen von Neuronen auf (also als Hirnaktivität); die Inhalte des Langzeitgedächtnisses dagegen sind in Form von Verbindungen zwischen Neuronen gespeichert.

Das Verpacken bzw. Verdichten einer Vielzahl von Einzelinformationen zu Paketen ist eine Leistung, die basiert auf einer Interaktion von Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Es werden zum einen neue Informationen dadurch besser behalten, dass man sie sinnvoll verknüpft mit dem, was man schon weiß; es ist zum anderen aber auch so, dass die wiederholte Erfahrung bestimmter ‚Dinge’ dazu führt, dass sich die Erinnerungen an sie, einschließlich der Art und Weise wie sie (prozedural) gewöhnlich ablaufen, quasi ‚einbrennen’ in die Windungen des neuronalen Netzes und so zum integralen Bestandteil des Langzeitgedächtnisses werden. Es werden so mit jedem neuen Gebrauch aus ersten noch zaghaften Verbindungen sich ständig weiter festigende Verarbeitungsroutinen. Es werden, bildlich gesprochen, aus Trampelpfaden allmählich breitere Wege oder gar Autobahnen.

Weil das Wissen im Langzeitgedächtnis in Form komplexer sensorischer Reizmuster (Pakete) mit ‚fest eingebrannten’ Aktivierungspfaden gespeichert ist, reicht es für eine spätere Aktivierung eines ganzen Wissenspakets oft aus, dass eine Teilmenge des darin eingebunden Reizmusters durch externe Reize aktiviert wird (priming); der Teilreiz öffnet automatisch den Zugang zu dem ganzen Paket. In dem Sinne ist das Denken und Handeln durch Denk- und Handlungsgewohnheiten (Verarbeitungsroutinen) geprägt, und in dem Sinne ist ein Experte dem Novizen gegenüber im Vorteil, denn es eröffnen sich ihm auf seinem Wissensgebiet schneller fertige Handlungsoptionen.

Das episodische Gedächtnis ist ein historisches bzw. autobiographisches Gedächtnis. In ihm werden konkrete (individuelle) Erinnerungen daran gespeichert, was wann geschah, wie es aussah und was für Folgen es hatte. Der für solche oft gestalthaften und mit affektiven Bewertungen ‚gewürzten‘ Erinnerungen bevorzugte Speicherort ist die rechte Hirnhälfte. Episodische Erinnerungen sind die Grundlage dafür, dass aus ihnen abstrahierend erste Kategorien für die Ordnung der Welt nach wiederkehrenden und wichtigen Eindrücken gewonnen werden können. Man kann zum Beispiel aus Erfahrungen lernen und erkennen, das Flammen immer heiß sind und Wasser immer nass ist, dass Hunde bellen aber auch beißen können.

In dem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass die im episodischen Gedächtnis festgehaltenen Erinnerungen an bestimmte Situationen nicht ohne eine emotionale Bewertung bleiben. Sie wird durch eine kognitive Bewertung ergänzt, sobald dafür die nötigen geistigen Voraussetzungen bestehen. Das führt zu dem Unterschied zwischen Perzepten und Konzepten.

Low and hight road thinking.

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Menschen sind nicht wie Tiere darauf festgelegt, reflexhaft auf alle Perzepte zu reagieren. Sie verfügen im Gegensatz zu Tieren über die Fähigkeit zu bewusst bzw. kognitiv kontrollierten Handlungen. Sie können auf das Wahrnehmbare mit ‚innerem Abstand’ reagieren, weil sie über ein konzeptuell sich fundierendes Wissen verfügen. Ein KONZEPT ist ein kognitives Konstrukt, das aus der Vielfalt der über das episodische Gedächtnis dem Gehirn perzeptiv zugänglichen Erfahrungen das herausfiltert, was mehrere Situationen oder ‚Dinge’ gemein haben.

Konzepte sind das abstrahierend-reduktionistische Ergebnis von Prozessen, die als Dekontextualisierung bezeichnet werden.

Mit ihnen bildet sich ‚quer’ zu, aber nicht völlig losgelöst vom episodischen Gedächtnis und den Perzepten, ein semantisches Gedächtnis. Schon Neugeborene ordnen die wahrnehmbare Welt nach Kategorien wie ‚gut für mich’ und ‚schlecht für mich’. Ihre Kategorien sind inhaltlich gewiss noch sehr vage, provozieren mit Blick auf die ersten Perzepte aber die weiterführende Frage ‚was bedeutet das für mich’, die später in die Kategorie ‚was bedeutet das überhaupt’ einmünden kann.

In dem Kontext muss daran erinnert werden, dass Kinder positiv auf eine vertraute Umgebung und oft verschreckt auf Fremdes reagieren, was aber eine neugierige Zuwendung dem Neuen gegenüber nicht ausschließt. Sie schreien, weinen und wenden sich ab von dem, was sie nicht kennen und als bedrohlich empfinden; sie wenden sich jedoch – sofern sie sich im sicheren Hafen fühlen – dem Neuen neugierig zu.
Was nicht integriert werden kann, wird mit Abwehr oder Nichtachtung belegt. Nur das, was dem erreichten Wissensstand nach verkraftet werden kann, wird integriert. Entwicklungsstufen sind das Resultat von Lernprozessen, denn Konzepte, die sich in Form von (re-)aktivierbaren Verbindungspfaden zwischen neuronalen Zellgruppen in verschiedenen Hirnregionen bilden, bleiben wandlungsfähig.

Evolutionsgeschichtlich gehen die zur Ausbildung eines konzeptuellen bzw. semantischen Wissens führenden Prozesse einher mit der für homo sapiens typischen Vergrößerung des präfrontalen Lappens. Mit ihm wird die zusätzliche Rechenkapazität geschaffen, die für eine vergleichende Bewertung sensorischer Impulse nötig ist. Ohne eine solche Distanz schaffende kognitive Kontrolle würden weiterhin primitive instinktive und reflexhafte Reaktionen die Oberhand behalten.

Schnelles affektgestörtes, langsames, kontrollierendes Denken.

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Die Aufgabe des Arbeitsgedächtnisses (siehe Bild) ist mit der einer Exekutive in einem Parlament zu vergleichen. Sie muss dem ‚Geschrei’ der vielen egoistischen Interessenvertreter (perzeptiven Meldungen) gegenüber entscheiden, welche der vielen parallel eingehenden Meldungen berücksichtigt werden (und welche nicht), und worauf sich die Aufmerksamkeit konzentrieren soll. Sie entscheidet das aber immer nur nach ‚Rücksprache’ mit dem im Langzeitgedächtnis gespeicherten Wissen, das sich zusammensetzt aus einem Faktenwissen (neuronale Zellgruppen, die mit Erfahrungen ‚aufgeladen’ sind) und Verarbeitungsroutinen (flexibel nutzbaren Verbindungswegen unter ihnen) sowie einer emotionalen Bewertung der Situation und der verfügbaren Handlungsoptionen. Entscheidungen führen dann zu Befehlen an das motorische System, das ihre Umsetzung in ein Handeln veranlasst.

Es bietet sich an, in diesem Kontext noch einmal daran zu erinnern, dass mentale Verarbeitungsprozesse auf einem Wissen basieren. Die Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses treten als Aktivierungen von Neuronen auf (also als Hirnaktivität). Die Inhalte des Langzeitgedächtnisses liegen demgegenüber in der Form von erbindungen zwischen Neuronengruppen gespeichert vor und das heißt in Form von Hirnstruktur.

Merksätze: Unterscheidung Konzept – Perzept.

  • Episodische Erinnerungen sind die Grundlage dafür, dass aus ihnen abstrahierend erste Kategorien für die Ordnung der Welt nach wiederkehrenden und wichtigen Eindrücken gewonnen werden können.
  • Eine erste, auf sensorischen Wahrnehmungen beruhende und unbewusst wirkende Kategorie der menschlichen Informationsverarbeitung ist ein Perzept. Es ist ein sich assoziativ mit Bedeutung aufladendes Reizmuster.
  • Ein Konzept ist ein kognitives Konstrukt, das aus den vielen perzeptiv zugänglichen Einzelerfahrungen das herausfiltert, was mehrere Situationen oder ‚Dinge’ gemein haben. Es ist in dem Sinne das abstrahierend-reduktionistische Ergebnis von Prozessen, die als Dekontextualisierung bezeichnet werden, denn sie lösen die Bedeutung eines Wortes aus nur einem bestimmten Kontext.
  • Mit dem Begriff semantisches Gedächtnis wird ein Wissen bezeichnet, das ein von episodisch-konkreten Erinnerungen analytisch abstrahierendes begriffliches (konzeptuelles) Wissen enthält. Das schließt das Sprachwissen ein.

Neuronale Netze sind ein zur Homöostase neigendes System. Was nicht integriert werden kann, wird mit Abwehr oder Nichtachtung ‚bestraft‘. Nur das, was dem erreichten Wissensstand nach verkraftet werden kann, wird integriert.

Siehe Borderline, bzw. alle Persönlichkeitsstörungen: „Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird einfach ignoriert!“ Intellektuell nicht in der Lage, Informationen zu verarbeiten , ebd. perverse Projektionen = Psychopath = antisoziale Persönlichkeitsstörung.

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Festzuhalten ist , dass mit der Zerstörung bestimmter Teile des Gehirns die Fähigkeit verloren geht, die Prozeduren in Gang zu setzen, die zum dauerhaften Speichern und wieder Abrufen neuer faktischer Erfahrungen nötig sind. Kommen neue Informationen zu schnell hintereinander, konkurrieren ihre Inhalte und löschen sich gegenseitig aus.

https://citisite.wordpress.com/borderline-logik-und-projektion/

Right Brain (limbic) vs. left Brain  (prefrontal cortex.) 

Die Umsetzung vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis wird weitgehend über das Dopamin gesteuert, denn Erfolg macht Spaß. Dopamin wirkt somit direkt auf die Gedächtnisbildung und hilft, eine erfolgreiche Strategie automatisch und nachhaltig abzuspeichern. Grundlage dafür ist ein hirninternes „Belohnungssystem“, das mit dem Neurotransmitter Dopamin arbeitet und bei Erfolgen für angenehme Stimmung und damit für Motivationssteigerung sorgt. Dopamin sorgt damit gleichzeitig in den neuronalen Systemen, die den relevanten Kurzzeitgedächtnisinhalt aufrechterhalten, für Genaktivierung und damit den Synapsenumbau für das Langzeitgedächtnis.

If you are talk with people over the right brain, go away!

Im Bild oben deutlich sichtbar nimmt der Rezipient ausschliesslich Informationen „limbisch“ auf, die für seine sofortige „Bedürnissbefriedigung“ relevant sind. Freud: „Der Hysteriker ist der Sklave des Augenblickes!“ Rechtes Bild: „Aktivierung des limbischen Systems“ / links: „prefrontale Gehirnaktivitäten – konzeptionelles nachdenken.“ Der geordnete Aufbau des Gedächtnisspeichers und damit der spätere Zugriff zum dort abgelegten Wissen hängt von einer „Konzeptualisierung“ von Informationen ab, wobei Kategorienbildung eine fundamentale Rolle spielt, also die Möglichkeit zur Einordnung von Informationen in Bedeutungsklassen. Für Borderliner heisst das: „Informationen ohne direkte Befriedigung – go away!“

Borderline. Abstraktion Reflektion kognitiv verunmöglicht.

Ein beeindruckendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit von Abstraktionen liefert das folgende berühmte psychologische Experiment. DeGroot ließ 1965 seine Versuchspersonen Schachstellungen auf Schachbrettern kurz betrachten und dann aus dem Kurzzeitgedächtnis wiedergeben. Wie erwartet konnten sehr gute Schachspieler dabei oftmals alle Figuren, immer aber ziemlich viele, korrekt wiedergeben. Schachanfänger hingegen konnten sich immer nur an sehr wenige Figuren korrekt erinnern.

Die Speicherdauer im Kurzzeitgedächtnis ist bei nur einmaliger Einspeicherung nur sehr kurz, einige Sekunden. Wollen wir den Inhalt länger behalten, so müssen wir ihn im Geiste wiederholen. Wenn wir keine besonderen Vorkehrungen treffen, wird das Kurzzeitgedächtnis nach Art einer Schlange verwaltet. Das erste Objekt, das die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses übersteigt, wird also dasjenige Objekt aus dem Kurzzeitgedächtnis verdrängen, welches schon am längsten dort ist.

Borderline. Gehirnspeicher nicht vorhanden.

Der Physiker Helmar Frank definierte die Elementargröße der menschlichen Informationsverarbeitung: Die Gedächtnisspanne, gemessen in Sekunden, und die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, gemessen in Bit pro Sekunde, bestimmen die Speicherkapazität bzw. die Kanalkapazität des Kurzzeitgedächtnisses bzw. Arbeitsspeichers (vgl. Lehrl et al. 1991). Auch das Langzeitgedächtnis hängt von diesem Arbeitsspeicher ab, also die Geschwindigkeit, mit der wir Information aufrufen und speichern. Die Gedächtnisspanne ist die Zahl der Elemente, mit denen wir gleichzeitig denken können. Sie ist von der intellektuellen Leistungsfähigkeit abhängig und beträgt beim Kleinkind drei, bei einem IQ 100 fünf, bei einem IQ 115 sieben und bei Hochbegabten neun Einheiten.

Das Gedächtnis spielt im Alltag eine sehr wichtige Rolle, so dass Gedächtnisstörungen ein großes Problem sein können. Das Gedächtnis ist die am meisten beanspruchte kognitive Funktion. Wir benutzen es, um allerlei verschiedene Informationen zu speichern, Folgendes kann man tun, um sein Gedächtnis zu verbessern:

  1. Sein Aufmerksamkeit gezielt auf die Information richten, die wir uns merken wollen.
  2. Für das Verständnis wesentliche Informationen ausmachen.
  3. Inhalt und Sinn einer Information überdenken und untersuchen.
  4. Bedeutung des emotionalen Aspekts: Etwas, wozu wir keinen Bezug haben, können wir uns nicht merken. Je größer der emotionale Bezug ist, desto besser kann man es sich merken.
  5. Organisation der Informationen in Kategorien.
  6. Assoziationen herstellen.

Siehe auch Artikel:

https://citisite.wordpress.com/aufmerksamkeitsdefizit-ads-adhs-wahrnehmung/

https://citisite.wordpress.com/peter-fonagy-refelexions-scala/

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Ein Gedanke zu “Eric Kandel. Sperma, Memory, Gedächtnis & ADS.

  1. cosy schreibt:

    Sein Aufmerksamkeit gezielt auf die Information richten, die wir uns merken wollen.
    Für das Verständnis wesentliche Informationen ausmachen.
    Inhalt und Sinn einer Information überdenken und untersuchen.
    Bedeutung des emotionalen Aspekts: Etwas, wozu wir keinen Bezug haben, können wir uns nicht merken. Je größer der emotionale Bezug ist, desto besser kann man es sich merken.
    Organisation der Informationen in Kategorien.
    Assoziationen herstellen……………………….
    …………………………………………………………………..
    Du verwechselst hier was mit WERBE-STRATEGIEN.Süsser,hier geht’s aber nicht um haircondischener,sondern um das reale Leben.Also um haircondischener.Okay-hast recht.

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